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Westweg im Schwarzwald
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Westweg im Schwarzwald

29.10.2005 und 29.4.2006 bis 1.5.2006

Kartenempfehlungen (Westweg komplett):

  • Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Blatt 501 (Baden-Baden, Murgtal, Albtal), 1:50 000
  • Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Blatt 502 (Pforzheim, Enztal, Nagoldtal), 1:50 000
  • Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Blatt 503 (Offenburg, Ortenau, Kinzigtal), 1:50 000
  • Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Blatt 506 (Titisee-Neustadt), 1:50 000
  • Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Blatt 508 (Lörrach - Belchen), 1:50 000

Charakteristika:

Der Westweg ist ein ca. 280 km langer Fernwanderweg durch den Schwarzwald. Er erstreckt sich von Pforzheim im Norden über den westlichen Schwarzwald bis nach Basel im Süden. Dabei werden für Mittelgebirge teilweise beträchtliche Höhenunterschiede überwunden. Der höchste Punkt des Westweges ist gleichzeitig die höchte Erhebung des Schwarzwaldes, der Feldberg mit 1493 m. Im südlichen Teil unterscheidet man eine östliche und eine westliche Variante.

Weitere Informationen:

Internetauftritt des Westwegs
Seite des Schwarzwaldvereins

Tourenbeschreibung:

Etappe 1: Pforzheim - Kaltenbronn; 29. Oktober 2005

Herbst im Schwarzwald Es war klar, dass diese Etappe sportlichen Ehrgeiz verlangt. Gut 40 km größtenteils auf Straßen und Forststraßen habe ich mir vorgenommen: die erste Etappe von Pforzheim nach Kaltenbronn will ich an diesem Tag gehen. Das Hotel Sarbacher in Kaltenbronn hält ein Zimmer für mich bereit, so dass ich am nächsten Tag die Tour ausgeruht fortsetzen kann. Doch es kommt anders.
Bei Hochnebel starte ich morgens gegen neun in Pforzheim und wandere zunächst zum Kupferhammer, wo Ostweg, Mittelweg und Westweg längs durch den Schwarzwald offiziell beginnen. Frohgemut führt einen der Weg erst links, dann rechts der Nagold entlang hinauf nach Sonnenberg. Das Ortschaften-Hopping setzt sich fort mit Birkenfeld und Neuenbürg, wo ich mein zweites (oder ist es das dritte?) Frühstück einnehme. Schon in Neuenbürg merke ich, dass meine Füße heute nicht die gleiche Freude am Wandern haben wie ich, obwohl doch das Wetter blendend ist. Meine Fußsohlen schmerzen schon hier in den Schuhen, die mir noch nie so richtig gepasst haben. Das kann ja heiter werden, denke ich noch, ich bin ja noch nicht mal die Hälfte der Strecke gelaufen. Und es wurde heiter. Die Asphalt- und Forststraßen nach Dobel gaben meinen Füßen den Rest und ab Dobel beginnt zu allem Überfluss auch noch mein linkes Knie zu schmerzen. Hier übernachten? Kommt nicht in Frage, immerhin hab ich ja gebucht und kann nicht schon nach paarundzwanzig Kilometern die Segel streichen. So begebe ich mich auf die restliche Strecke weiter zumeist auf Forststraßen, wodurch die Schmerzen in Knien und Füßen beinahe unerträglich werden. Zwei riesengroße Blasen an den Fersen gesellen sich zum allgemeinen Weltschmerz hinzu und besiegeln letztlich den Abbruch der Tour in Kaltenbronn, die ich eigentlich noch gern bis zum 1.11. fortgesetzt hätte. Nach der Übernachtung im Hotel Sarbacher lasse ich mich beinahe bewegungsunfähig am nächsten Tag von der lieben Jinan aus Stuttgart abholen. Die Schuhe habe ich im Anschluss an diese Tour feierlich entsorgt.

Etappe 2: (Bad Wildbad) - Kaltenbronn - Badener Höhe; 29. April 2006

Nachtlager Eigentlich war eine Skitour auf den Großvenediger geplant. Wegen Schneefall und Lawinengefahr mussten wir darauf leider verzichten. Alternativen waren nicht leicht zu finden, da die Wettervorhersage kaum Spielraum für Aktivitäten im Freien ließ. Doch, Baden-Württemberg wird nicht ganz so schlimm, nur kalt. Also warum nicht den im letzten Jahr begonnenen Westweg fortsetzen? Also Rucksack gepackt: Schlafsack, Isomatte, Kocher, Dosenfutter und alles weitere zum Überleben im Freien eingepackt, ziehe ich abends um 18 Uhr los mit dem Zug nach Bad Wildbad. Im ICE BordBistro lerne ich noch zwei nette Mädels kennen, bevor ich gegen Mitternacht in Bad Wildbad (ca. 425 m) eintreffe. Mein Plan ist, noch etwa eine Stunde zur Schutzhütte an den 5 Bäumen in Richtung Kaltenbronn zu laufen, von wo ich den Westweg fortsetzen will. Die dunklen Tannen des Schwarzwaldes sind nachts bei bedecktem Himmel noch dunkler als sonst und lassen überhaupt kein Licht zum Boden durch. So laufe ich also mit Stirnlampe los bergan dem Mittelweg folgend. Genau dreimal fliegen Vögel über mir aus Baumkronen auf und erschrecken mich mit ihrer Flucht gehörig. Nach knapp einer Stunde und einem Anstieg von ca. Schnee auf Tanne 360 Höhenmetern erreiche ich nachts gegen 1 Uhr die Schutzhütte an den 5 Bäumen (784 m). Viel breiter als 40 cm dürfte die Bank nicht sein, auf der ich Isomatte und Schlafsack ausbreite. An bequemes Schlafen ist also wenn überhaupt "hochkant" zu denken. Dass ich nicht einfach in der Nacht auf den Boden gefallen bin wundert mich heute noch.
 
Der Schlaf ist - nicht zuletzt durch die schmale Bettung - ziemlich unruhig gewesen. Irgendwann zwischen siebtem und elftem Aufwachen ist es bereits hell und es schneit. Nein, wirklich kein Wetter, um aufzustehen, denke ich. Ein zweites Mal wache ich mit Tageslicht auf und es schneit immer noch. Wie sinnlos, denn es bleibt ja fast nichts liegen. Erst beim dritten Aufwachen nach Sonnenaufgang - so gegen halb zehn - blinzelt tatsächlich die Sonne in die halbseitig offene Schutzhütte herein. Jetzt ist es an der Zeit sich aus dem warmen Schlafsack zu befreien und einen Kaffee auf dem Gaskocher zu bereiten. Zwei Damen, die ihren Morgenspaziergang zu machen scheinen rätseln sicher Moor am Wildsee über die Kaffee trinkende Gestalt mit zerzausten Haaren in der Schutzhütte.
Das Aufstehen hat sich aber gelohnt, denn das Wetter lässt abgesehen von den 5°C zu kühlen Temperaturen nichts zu wünschen übrig. An der Grünhütte wandere ich vorbei, dann über einen langen Steg durch das Moor am Wildsee weiter bis ich nördlich von Kaltenbronn auf den Westweg treffe. Es ist etwa halb eins und die Sonne scheint, als ich links Richtung Hohlohturm abbiege. Ich genieße den windigen Ausblick vom Turm, bevor ich nach Forbach absteige. Kurz vor Gausbach decke ich mich am Hexenbrunnen mit frischem Quellwasser ein, an der Tankstelle in Forbach wird der Essensvorrat für die Zeit bis Montag ergänzt. Ein steiler Anstieg steht bevor, also bereite ich mir zunächst ein heißes Mittagsmahl an der Kapelle am Ortsausgang von Forbach. Nach erholsamer Rast geht es hinauf zur Wegscheid und wieder etwas abwärts zum Ufer der Schwarzenbachtalsperre. Beim Aufstieg zum Seekopf und zur Badener Höhe (1002 m) beginnt es wieder heftig zu schneien, doch bald drängt sich die Sonne wieder durch die Wolken, formt die Flöckchen zu dicken Flocken und verdrängt sie schließlich ganz. Auf der Badener Höhe besteige ich Schwarzenbachtalsperre den Turm bei Abendsonne und Sturm, die Aussicht zur Hornisgrinde und vor allem in die Rheinebene ist gigantisch. Mit den letzten Sonnenstrahlen laufe ich hinab zum Naturfreundehaus Badener Höhe, das mir für wenig Geld Übernachtung, Frühstück und eine heiße Dusche in braunem Moorwasser bietet. Ein Rollbraten mit Jägersoße und Spätzle hält mich am Abend bei Laune. Die Planung sagt, dass ich bis Hausach noch gut 66 km zu gehen habe. Wie ich das mit meinem Gepäck (12 bis 16 kg je nach Füllstand der Vorräte) schaffen soll, ist mir noch schleierhaft.

Etappe 3: Badener Höhe - Hildahütte; 30. April 2006

Es gibt leider erst um halb neun Frühstück, weswegen ich den Aufbruch nicht vor viertel nach neun schaffe. Hinab nach Sand und am Mehliskopf vorbei hinauf zur von Windrädern, Funktürmen und Ruinen entstellten Hornisgrinde. Massentourismus lässt Grüßen kostet der Aufstieg auf den Turm hier einen Euro. Ich verzichte gerne. Auf dem Weg hinab zum Mummelsee wird klar, dass hier eine Hauptattraktion des Schwarzwaldes liegen muss. Touristen, die mit Walking-Stöcken und neuester Outdoor-Bekleidung die Asphaltstraße zur Hornisgrinde hochstapfen wechseln sich ab mit Franzosen, die in den Schwarzwaldläden einkaufen, als wäre der letzte Tag gekommen. Mummelsee Ganz entkommen kann ich den Verlockungen jedoch nicht, zwei Pfefferbeißer und eine Blutwurst erschweren meinen Rucksack nach dem Mummelsee. Hervorragende Aussicht (Sturm Lothar sei Dank) vereint sich mit dem Röhren der Motorräder auf der Schwarzwaldhochstraße (B500). Eine kurze Rast auf der Darmstädter Hütte und viel Forststraße später treffe ich zwei Mädels vom Bodensee, die noch zum Naturfreundehaus in Kniebis wollen. Nach kurzer Unterhaltung trennen sich unsere Wege an der Jugendherberge Zuflucht wieder. Da die JuHe voll ist muss ich mich nach 30 Tageskilometern nach einer anderen Unterkunft umschauen. Ein Hotel an der Alexanderschanze (noch 4 km) wäre die nächste Anlaufstation, die Hildahütte (noch 9 km) erscheint mir allerdings wesentlich sympathischer, obwohl es sich dabei um eine offene Schutzhütte handelt. Die Alternative Alexanderschanze scheidet bei der Ankunft dort aus, da ein krakeliges Schild am Eingang besagt, dass das so genannte Hotel erst am 16. Mai öffnet. So entfällt auch der Nachschub an Bier und Zigaretten, selbst die Wasservorräte gehen zur Neige, bewegt man sich doch sehr häufig auf einem trinkwasserarmen Kamm. Die Füße schmerzen schon, als ich mich zügig auf den Weg von der Alexanderschanze zur Hildahütte mache. Als die Sonne schon tief steht - so gegen acht Uhr - komme ich an Ausblick der Hütte an. Halb offen, sehr klein und eine schmale Bank. Wieder eine unruhige Nacht, denke ich, und mache mich auf die Suche nach Trinkwasser. Die Niklashütte (oder Nikolashütte?) war mir auf der Karte schon aufgefallen. In diese Richtung bewege ich mich zur Wassersuche und ich finde diese Hütte. Geschlossen, aber nicht verschlossen! Ich öffne die Tür und traue meinen Augen kaum. Eine breite Bank, ein Tisch, Kerzen, ein Ofen, eine Säge, ein Beil und kein Mensch weit und breit. Was braucht man mehr? Trinkwasser ist leider Fehlanzeige. Außer der braunen Moorbrühe ist hier nichts zu bekommen. So muss ich mit dem Rest auskommen, der noch in meiner Flasche verblieben ist. Bevor die Sonne völlig verschwindet säge und hacke ich noch Brennholz, um eine wohlige Wärme in der Hütte zu erzeugen. Während die Kleider auf der Wäscheleine trocknen, koche ich mir eine Gulaschsuppe aus meinem Essensvorrat. Diese schmeckt nach 40 km Tagesmarsch vorzüglich. Schlafen konnte ich in dieser Nacht dennoch nicht besonders gut.

Etappe 4: Hildahütte - Hausach; 1. Mai 2006

Blick auf Hausach Den Wecker im Handy und den in meiner Uhr habe ich auf 7:40 Uhr gestellt, weil ich ja am Abend von Hausach noch etwa fünf Stunden mit dem Zug nach München fahren muss. Beide haben entweder nicht funktioniert oder ich habe sie nicht gehört, so dass ich erst zwei Stunden später realisiere, dass ich irgendwie verschlafen habe. Ich gönne mir beim Aufräumen der Niklashütte trotzdem noch einen Kaffee und begebe mich dann gegen halb elf auf die verbleibenden 27 km nach Hausach. Das Wetter ist wieder gut und so macht der Weg durch den dichten Wald richtig Spaß. Eine Einkehr am Kreuzsattel und zwei Maifeste am Westweg versüßen mir diesen Tag noch zusätzlich, so dass ich gut in Richtung Hausach vorankomme. Bereits zwanzig Minuten vor fünf stehe ich auf dem Spitzfelsen (577 m) und schaue auf Wolfach und Hausach im Kinzigtal hinab. So erreiche ich bequem den Zug um 17:40 Uhr nach München. Ein entbehrungsreiches, aber wunderschönes Wochenende mit einigen Überraschungen geht zu Ende.

Fahrt nach Basel; Freitag, 27. Oktober 2006

Mittags packe ich mal wieder meinen Rucksack, um für fünf Tage autark auf dem Westweg des Schwarzwaldes zu überleben. Von Hausach bis Basel habe ich noch ca. 143 km des Westwegs vor mir, für die ich mir bis Mittwoch Zeit genommen habe. Zunächst fahre ich aber mit 18,3 kg auf dem Rücken nach Basel, wo ich meine Notebooktasche deponiere, um am Mittwoch und Donnerstag noch dort arbeiten zu können. Bis Ulm verläuft die Zugfahrt reibungsfrei. Dort werden wir aber wegen einer Bombendrohung eine Stunde aufgehalten. Bis Basel erhöht sich meine Verspätung noch auf 90 Minuten. Dort gehe ich mit Bernhard noch ein paar Bier trinken, bevor er mich liebenswerter Weise bei sich und seiner Familie übernachten lässt. Blick auf Hausach

Etappe 5: Hausach - Brend; Samstag, 28. Oktober 2006

Um kurz vor acht Uhr steige ich im Bruderholz ins "Drämmli", wie die bzw. das Tram in Basel liebevoll genannt wird. Mit ICE und IRE geht es dann nach Hausach (238 m), dem Ausgangspunkt dieser Wanderung. Ich statte der Schwarzwald- Modellbahn gegenüber von Hausacher Bahnhof noch einen Besuch ab, bevor ich mich gegen 11 Uhr an den langen Aufstieg auf den Farrenkopf (789 m) mache. Dort vor der großzügigen Schutzhütte raste ich in der warmen Mittagssonne. Anschließend führt der Weg auf und ab vorbei an einigen "Schanzen" (alten Verteidigungsanlagen) und schließlich hinauf zum Karlstein (969 m). Das Viersternehotel "Schöne Aussicht" lasse ich gerne links liegen und raste noch mal kurz, bevor ich mich auf den Weiterweg über Rensberg zur Wilhelmshöhe mache. Dort habe ich 20 km hinter mir, meine Füße fühlen sich an als wären es 40 gewesen. Auf der Wilhelmshöhe hat alles geschlossen, weshalb ich gleich weiter laufe bis zur Martinskapelle. Dort ist es bereits kurz vor sieben abends und es wird schon richtig dunkel. Hof nach Hausach im Dunst Ich will aber noch zur auf der Karte eingezeichneten Schutzhütte zwischen Günterfelsen und Brend. Der schmale und zackige Pfad durch den dunklen Wald ist selbst mit Stirnlampe nur schwer zu finden. Irgendwann zwischen sieben und halb acht finde ich tatsächlich die Lichtung mit einer verschlossenen Skihütte (1078 m). Das Dach ist jedoch so weit heruntergezogen, dass es mir auch vor Regen Schutz bieten sollte. Zum Abendessen gibt es zur Belohnung für die über 1000 Höhenmeter eine Tasse Kartoffelsuppe und einen Linseneintopf. Da Regen vorausgesagt ist, packe ich in weiser Voraussicht alle Utensilien möglichst nah an die Hauswand. In der Nacht wache ich ab und zu auf, doch der freie Blick zum Himmel, von dem ab und zu das Sternbild Orion herabgrüßt, lässt mich schnell wieder einschlafen.

Etappe 6: Brend - Titisee; Sonntag, 29. Oktober 2006

Kalte Herberge Um 8:09 Uhr weckt mich das Prasseln des Regens, was der leise piepsende Alarm an meiner Uhr neun Minuten vorher nicht geschafft hat. Eigentlich ist es ja erst 7:09 Uhr, da in der Nacht die Uhr um eine Stunde zurück gestellt werden sollte. Ich beschließe jedoch in der Sommerzeit weiterzuleben, weil ich mir die Sonnenauf- und untergangszeiten bereits so eingeprägt habe. Ich bleibe nicht mehr lange im Schlafsack liegen, denn der Regen spritzt vom gepflasterten Vorbau auf meine Isomatte und Schlafsack. So packe ich also zusammen, trinke zwei Kaffee und begebe mich irgendwann nach neun auf den Weg auf den Brend (1149 m). Die Stimmung ist seltsam herbstlich. Es nieselt, es ist neblig, doch in meinen Regenklamotten ist es warm und trocken. Nach dem Brend führt der Weg vorbei an vereinzelt stehenden Bauernhöfen. Trotz dieses unwirtlichen Wetters und der Einöde sind an diesem Sonntag morgen erstaunlich viele Menschen unterwegs. Mädels gehen joggen, Frauen spazieren und Bauern zäunen neue Pferche ein. Waldpfad im Nebel Leider verläuft der Westweg hier viel auf Asphaltstraße, doch ich komme gut voran. Am Neueck trifft der Weg auf die B 500, was die Stimmung ein wenig sinken lässt. Um zwanzig vor zwölf erreiche ich Kalte Herberge, wo ich mir einen Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne gönne. Einige Kilometer nach der Kalten Herberge verlässt der Weg wieder die laute B 500, dafür wird der Regen jetzt aber wieder stärker. Kurz nach der Fürsatzhöhe (1071 m) in Heiligenbrunnen lädt die Ski- und Wanderhütte "Berghäusle" zur Rast ein. Die urgemütliche Hütte wärmt mich wieder auf und die Maultaschensuppe bietet Stärkung für die restliche Strecke zur Jugendherberge Veltishof am Titisee (ca. 860 m). Durch die touristisch geprägte Innenstadt des Ortes Titisee hindurch und am Südufer des Titisees entlang erreiche ich endlich um halb sieben die Herberge. 34 Tageskilometer liegen hinter mir, was mich meine Füße spüren lassen. Das Rothaus Bier lasse ich mir gemeinsam mit drei Jugendlichen, zwei Damen aus Lancaster (Nordengland) und Australien, sowie einem Karlsruher schmecken.

Etappe 7: Titisee - Trubelsmattkopf; Montag, 30. Oktober 2006

Seebuck Irgendwie habe ich in der Jugendherberge auch nicht besser geschlafen als in der letzten Nacht draußen, obwohl das urige Schwarzwaldhaus eine gemütliche Atmosphäre bietet. Weil ich am letzten Tag so viel gelaufen bin und heute der lange Aufstieg zum Feldberg vor mir liegt, peile ich heute nur 25 km an. Nach dem Frühstück so gegen halb zehn breche ich auf nach Bärental (976 m). Das Wetter ist heute besser, nur vereinzelte, tief hängende Wolken verstellen den Blick, so dass man am "Zweiseenblick" heute gerade Mal der Titisee zu sehen ist. Am Caritashaus gabelt sich der Westweg in eine westliche und eine östliche Variante, was mir dort irgendwie entgeht und so lande ich erstmal an der Menzenschweiger Hütte. Am Hebelhof merke ich dann, dass irgendwas nicht stimmt und ich gehe dann direkt auf den Sattel zwischen Seebuck und Feldberg (1493 m) hoch. Leider ist die Feldbergregion sommers wie winters stark touristisch frequentiert, was sich heute in einem Strom von Touristen entlädt. Zwei Sendemasten und eine Wetterstation befinden sich auf dem Feldberggipfel. Ich raste dort nur kurz an einem etwas ruhigeren Ort mit Blick über die Alpen bis zum Mont Blanc, bevor ich Richtung Notschrei weiterlaufe. Auerhuhn Am Stübenwasen (1386 m) fotografieren eine ganze Menge Leute einen Baum. Nanu ein ganz besonderer Baum denke ich, doch als ich näher komme sehe ich ein Auerhuhn herunterhüpfen. Gar nicht scheu posiert es dann im Gras nur einige Meter entfernt von uns. Am Gasthaus Stübenwasen kaufe ich mir noch ein Glas Apfelschorle und eine Flasche Bier, die ich für das Abendessen in der Schutzhütte am Trubelsmattkopf mitnehme. Das feine Hotel am Notschrei lasse ich links liegen, interessant sind nur die deutschen Langläufer und Biathleten, die mit Skates auf einer Asphaltbahn vor Notschrei (1119 m) trainieren. Rechtzeitig vor Sonnenunteruntergang komme ich an der Schutzhütte (ca. 1200 m) am Trubelsmattkopf an. Die Hütte bietet drei Bänke, wovon ich auf einer mein Schlaflager ausbreite und bei einem Kaffee den Sonnenuntergang genieße. Zum Abendessen gibt es Spargelcremesuppe und danach Gulaschsuppe. Als ich mich um 19 Uhr zur Ruhe begebe, erleuchtet der halbe Mond den Platz vor der Hütte.

Etappe 8: Trubelsmattkopf - Belchen; Dienstag, 31. Oktober 2006

Erholsame zwölf Stunden habe ich wahrscheinlich geschlafen, als ich um acht Uhr die rosa Wölkchen am Morgenhimmel beobachte. Die Füße haben sich hervorragend erholt, doch der linke Fußhebemuskel (am Schienbein) schmerzt noch Blick Richtung Alpen genauso arg wie am Vortag. Der Gedanke an eine Entzündung macht sich breit. Nach den üblichen zwei Morgenkaffees stiefele ich los zum Wiedener Eck. Nachdem ich eine Kuhweide durchquert habe steht dort das Schild, dass wegen Bullen das Betreten der Weide strengstens verboten sei. Bei mir hat sich keine Bulle gemeldet. An der Krinne (1117 m) raste ich nochmals kurz in der Sonne und überlege, wo ich am Besten die Tour unterbrechen könnte. Das linke Schienbein schmerzt bei jedem Schritt so, als würde jemand bei jedem Schritt dagegen treten. Doch da hier kein Bus fährt muss ich weiter hinauf auf den Belchen (1414 m). Der Aufstieg hat sich gelohnt. Wie zuvor schon auf dem Feldberg bietet sich ein umwerfendes Alpenpanorama. Heute windet es aber deutlich mehr und so kehre ich erst mal im Belchenhaus ein, um das weitere (Vor-)Gehen zu überdenken. Angesichts der Schmerzen wähle ich den Abstieg per Seilbahn und die Fahrt per Bus und S-Bahn nach Basel. Wie sich im Nachhinein herausstellt, war das keine schlechte Wahl. Erst zwei Wochen später sind der Fußhebemuskel und die angeschlossenen Sehnen wieder entzündungs- und schmerzfrei.
 
to be continued...
 
Thorsten Kunkel, 12. November 2006